
Breaking into the Boardroom – Wie Angel Investoren zu effektiven Beiratmitgliedern werden
Nach meinem letzten Beitrag zur Angel Investor Academy von Emerge VC ging es im November 2025 in die nächste Stufe: „Breaking into the Boardroom“, ein gemeinsamer Workshop von Emerge und Resonance. Im Fokus: Wie Angel-Investoren ihre Rolle professionalisieren können – vom Kapitalgeber zum strategischen Sparringspartner auf Board-Ebene.
Von der Investition zur Governance und Beiratsarbeit
Der Workshop stellte eine zentrale Frage in den Raum: Was unterscheidet gute Investoren von wirkungsvollen Board-Mitgliedern?
Die klare Botschaft: Geld allein reicht nicht aus. Entscheidend ist, ob jemand als Business Angel die Fähigkeit entwickelt, Struktur, Haltung und Verantwortung in die strategischen Runden von Startups und Beteiligungen einzubringen. Die begleitende Board Readiness Scorecard von Resonance liefert hierfür ein starkes Framework. Sie prüft sechs Dimensionen – von Identity Capital (eigene Werte und Führungsprinzipien) über Social Capital (Netzwerk und Reputation) bis hin zur First 90 Days Mindset (der richtige Start als neuer Board Director). Der ehrliche Selbsttest, der verdeutlicht: Board-Arbeit ist kein Hobby, sondern ein Lernfeld verbunden mit Verantwortung.
Die Kunst, als Peer aufzutreten
Ein wiederkehrendes Thema war das richtige Auftreten in der Board-Auswahl und in den Board-Interviews. Erfolgreiche Kandidaten, so die Workshop-Teilnehmer, begegnen Gründern und anderen Directorn auf Augenhöhe – als Peers, nicht als Bewerber. Sie zeigen Selbstreflexion, stellen kluge Fragen zu Entscheidungsprozessen und Board-Kultur – und wissen, wann Zuhören wichtiger ist als Reden.
In den Sessions wurden typische Verhaltensmuster kontrastiert:
- Great Directors sind vorbereitet, ruhig in Krisen, unterstützen ohne zu micromanagen
- Unhelpful Directors sind laut, unstrukturiert oder zu stark auf kurzfristige Finanzergebnisse fixiert.
Diese klare Abgrenzung war eines der wertvollsten Takeaways: Board-Kompetenz zeigt sich in Haltung, nicht in Hierarchie.
Ein anderes Learning war vor allem, wie sich potenzielle Board-Mitglieder positionieren in einer Art „Elevator Pitch“ – und auch mit Hilfe der Board Readiness Scorecard.
Lessons für Angel Investoren
Für aktive Angels ergibt sich daraus eine wichtige Erkenntnis: Wer langfristig mitreden will, muss lernen, Experience und Governance als Value Creation zu verstehen. Das heißt: Ein Board Seat ist kein Statussymbol, sondern eine Verantwortung für Kultur, Strategie und Weiterentwicklung eines Unternehmens.
Besonders spannend war die Diskussion darüber, welche „Entry Paths“ es für Angels gibt – ob als Operator/Investor, Expert/Advisor, Ecosystem Player oder Non-Profit Director.
Diese Archetypen helfen, die eigene Positionierung zu schärfen und gezielt Board-Rollen zu finden, die wirklich passen.
Mein persönliches Fazit
„Breaking into the Boardroom“ war weniger ein Webinar – mehr ein Workshop mit Realitätscheck. Wer als Business Angel nachhaltigen Einfluss nehmen will, sollte die Board-Rolle nicht als Verlängerung seines Investments sehen, sondern als eigenständige Disziplin mit klaren Regeln, Kompetenzen und Werten. Es ist mehr Unternehmer-Sparring als ein Hobby. Emerge und Resonance schufen mit diesem Format ein einzigartiges Lernumfeld: praxisnah, reflektiert und mit der richtigen Balance zwischen Strategie, Ethik und Austausch zwischen den Venture Partnern. Ich gehe mit dem Gefühl heraus, dass Board Readiness die nächste logische Stufe für erfahrene Angel-Investoren ist –
und vielleicht der entscheidende Schritt, um die Zukunft der Startups, in die wir investieren, wirklich mitzugestalten.
Über den Autor
Ich bin Unternehmer, Business Angel und Sparringspartner für Unternehmer („Unternehmer für Unternehmer“). Als Seriengründer (u.a. Betreut.de, Care With Care, Digital Career Institute, FJI Future Job Institute, Care Forward) und Investor begleite ich Unternehmer (Startups, Grown Ups, Mittelständler) in Wachstums- und Transformationsphasen – von der Skalierung bis zur Exit-Vorbereitung; häufig auch als Board-Mitglied. Wenn du wissen willst, wie eine effiziente Beiratsarbeit aussehen kann oder ob sich der Aufbau eines Advisory Board lohnt: Sprich mich gerne an.

