
Unternehmer-Sparring statt Coaching: Klarheit für Gründer und Unternehmer
Aus eigener Erfahrung als Seriengründer weiß ich: Es gibt Phasen im Unternehmertum, in denen das Unternehmen läuft und sich trotzdem alles schwerer anfühlt. Das Unternehmen wächst und das Team wird größer. Parallel steigt die Zahl der Entscheidungen, die sich nicht mehr delegieren lassen. Der Kalender ist voll, Entscheidungen stapeln sich, Themen springen im Minutentakt und Mitarbeitende warten auf Entscheidungen. Obwohl du mehr Erfahrung hast als je zuvor, wird es nicht einfacher, sondern komplexer. Entscheidungen, die früher klar waren, bekommen plötzlich mehrere Ebenen. Themen überlagern sich. Prioritäten verschwimmen. Was sich verändert, ist weniger das Geschäft als die Art, wie Du es führen muss. Erfahrung hilft dabei meist. Sie reicht nur irgendwann nicht mehr aus, um die richtigen Schlüsse zu ziehen.
Wenn Komplexität zur eigentlichen Herausforderung wird
Der Leadership-Stil ändert sich in verschiedenen Phase. In frühen Phasen dominiert die Umsetzung. Später verschiebt sich der Fokus auf Priorisierung und Steuerung sowie Kulturbildung. In den reifenden Leadership-Phasen geht weniger darum, ob etwas funktioniert, sondern ob es die richtige Entscheidung im Kontext ist. Die meisten Unternehmer, die ich kenne, verfügen über ausreichend Erfahrung und Wissen. Die Herausforderung liegt nicht im fehlenden Input, sondern in der Einordnung. Welche Annahmen tragen wirklich. Welche Risiken sind relevant. Welche Option passt zur Situation des Unternehmens. Wer diese Fragen allein bearbeitet, stößt früher oder später an Grenzen durch fehlende Perspektiven. Themen werden mehrfach durchdacht, ohne dass sich die Qualität der Entscheidung sichtbar verbessert. Zeit geht verloren, Energie ebenso. Das betrifft aus meiner Erfahrung inbesondere bei Solo-Unternehmern.
Unternehmer-Coaching und seine strukturellen Grenzen
Der Markt für Unternehmer-Coaching ist groß und in weiten Teilen standardisiert. Viele Coaching-Ansätze basieren auf Modellen und Methoden, die sich gut vermitteln lassen oder eher für Angestellte passen. In der konkreten Situation eines Unternehmens verlieren sie jedoch häufig an Wirkung. Nach mehr als 20 Jahren als Unternehmer kann ich bestätigen: Unternehmen folgen keiner Vorlage. Sie entwickeln sich entlang individueller Entscheidungen, historischer Entwicklungen und personeller Konstellationen. Vorgefertigte Lösungen greifen in solchen Kontexten selten sauber und sind eher eine Arbeitserleichterung für einen unerfahrenen Coach.
Ein zweiter Aspekt ist aus meiner Sicht mindestens genauso relevant. Ein erheblicher Teil der Coaching-Anbieter hat selbst nie ein Unternehmen relevanter Größe aufgebaut und durch kritische Phasen geführt. Weder die Entwicklung von null auf eine relevante Organisationsgröße noch die Skalierung auf signifikante Umsätze wurde selbst verantwortet. Die Perspektive bleibt zwangsläufig eine andere, eine theoretische. Dadurch fehlt vielen Gesprächen eine Tiefe und Praxistauglichkeit. Themen werden besprochen, aber nicht praktisch durchdrungen. Perspektiven werden ergänzt, aber nicht geschärft. Es entsteht Austausch, jedoch keine belastbare Entscheidungsgrundlage auf Basis von authentischen und eigenen Erfahrungen.
Unternehmer-Sparring als Arbeitsform
Unternehmer-Sparring setzt auf eine andere Qualität der Auseinandersetzung mit einem Unternehmer oder Gründer. Im Zentrum steht die konkrete Situation des Unternehmens und des Unternehmers. Entscheidungen werden nicht isoliert betrachtet, sondern im Kontext ihrer Auswirkungen und ihres unternehmerischen Systems. Annahmen werden offengelegt und geprüft. Optionen werden gegeneinander gestellt und bewertet. Damit entstehen breitere Optionsräume. Die Gespräche sind fokussiert und führen auf Punkte hin, an dem Entscheidungen tragfähig werden. Beim Unternehmer-Sparring geht um Präzision im Denken und bei den Entscheidungen, statt zusätzliche Optionen. Diese Form der Zusammenarbeit erfordert ein Gegenüber, das unternehmerische Situationen aus eigener Erfahrung kennt und in der Lage ist, schnell in komplexe Zusammenhänge einzusteigen – und das idealerweise nicht nur einmal halbgar durchlebt hat.
Typische Konstellationen aus der Praxis
Ich gebe einmal einen Einblick aus meinem Sparring-Alltag, um zu verdeutlichen was ich meine:
- Ein Grown-Up verfügt über erhebliche Liquidität und steht vor der Frage, wie diese eingesetzt werden soll. Wachstum, Diversifikation oder Absicherung stehen parallel im Raum, ohne klare Priorisierung.
- Ein Gründer stellt fest, dass sein Start-Up schneller wächst als die eigene Steuerungsfähigkeit. Strukturen entstehen, greifen aber nicht in der gewünschten Klarheit und der Fokus leidet.
- In einem Führungsteam verschieben sich Rollen und Erwartungen. Die Zusammenarbeit funktioniert formal, inhaltlich entstehen Spannungen, die nicht adressiert werden.
- Ein anderer Kunde entwickelt sich stabil, während die strategische Richtung unscharf wird. Fortschritt ist sichtbar, die nächsten Schritte bleiben offen.
In diesen Situationen entsteht der eigentliche Bedarf an Unternehmer-Sparring.
Von Unternehmer für Unternehmer
Warum bin ich überzeugt, dass „Unternehmer für Unternehmer“ hier passt? Ich arbeite mit Unternehmern auf Basis eigener Erfahrung. Seit dem Jahr 2000 bin ich unternehmerisch tätig. Seit dieser Zeit habe ich mehr als Dutzend Organisationen gegründet bzw. aufgebaut und durch Wachstumsphasen geführt, in denen Entscheidungen unmittelbare Auswirkungen hatten. Manchmal kam auch statt Wachstumphase auch eine Restrukturierungs- und Sanierungsphase. Diese Perspektiven und dies Erfahrungen prägen die Arbeit bis heute. Ergänzend fließen natürlich mein akademischer Hintergrund (Management-Studium mit Schwerpunkt Entrepreneurship und Marketing sowie Promotion in Ökonomie) und Erfahrungen aus Beiratsmandaten und der Zusammenarbeit mit Investoren ein. Persönlich bilde ich mich seit 2009 als Mitglied in der Entrepreneurs’ Organization weiter. Dorth wurde ich auch mehrfach als Moderator und Seed-Moderator trainiert und zertifiziert. Weiterhin bin ich mit einer meiner Gesellschaften im BAFA-Programm für die Förderung von Unternehmensberatungen für KMU gelistet.
Ablauf des Unternehmer-Sparring – Zusammenarbeit, Ansatz und Wirkung
Die Zusammenarbeit zwischen einem Gründer und mir orientiert sich an den realen Anforderungen des Unternehmens. In den regelmäßigen Gesprächen schauen wir uns i.d.R. die Top3-Themen an, die den Unternehmer gerade „umtreiben“. Sie bilden den Kern des Sparrings. Zusätzlich erfolgt der Austausch bei konkreten Entscheidungsbedarfen auch ad hoc. Mein Unternehmer-Sparring folgt keinem vorgegebenenn, fixen Programm oder standardisierten Abläufen. Im Fokus meines Sparrings stehen die Themen, die aktuell Wirkung entfalten sollen für das Unternehmen.
Dabei steht die Qualität der Entscheidungen steht im Mittelpunkt. Dazu gehört, die Ausgangssituation präzise zu erfassen, Annahmen sichtbar zu machen und Konsequenzen klar zu benennen. Fragen und Struktur dienen dabei als Werkzeuge, um Komplexität zu reduzieren und Orientierung zu schaffen. Der Unternehmer hat dabei immer die Wahl zwischen Erfahrungsaustausch, Coaching im „klassischen Sinne“ und Challengen. Der Unternehmer bleibt am Ende die zentrale Instanz. Die Entwicklung des Unternehmens folgt der Qualität seiner Entscheidungen.
Mit der Zeit verändert sich im Sparring und im Unternehmen die Art, wie Entscheidungen getroffen werden. Prioritäten werden klarer, Argumentationslinien stabiler, Unsicherheiten greifbarer. Der Umgang mit Komplexität wird strukturierter, ohne sie zu vereinfachen. Das führt zu mehr Fokus in der Führung des Unternehmens und der eigene Leadership-Stil entwickelt sich.
Diese Form des Unternehmer-Sparrings richtet sich an Unternehmer und Gründer mit Verantwortung für ihr Unternehmen und die eine gewisse Größenordnung haben (eher skalierende Firmen, digitaler Mittelstand, wachsende Startups). Das Sparring passt zu Personen, die bereit sind, sich mit ihren Themen intensiv auseinanderzusetzen und ihre eigenen Annahmen zu hinterfragen. Weniger geeignet ist sie für alle, die nach standardisierten Lösungen suchen oder kleine Einzelkämpfer.
Fazit
Wenn Unternehmen wachsen, verändert sich nicht nur die Organisation sondern auch die Anforderung an den Unternehmer. Diese Erfahrung habe ich in den letzten 25 Jahren mehrmals selbst erlebt. Dadurch habe ich gelernt, was dein Unternehmen ausbremst bzw. was Unternehmen beschleunigt. Ich unterstütze immer nur eine kleine Anzahl an Unternehmern gleichzeitig, um neben meiner eigenen unternehmerischen Arbeit genug Zeit zu haben für die jeweiligen Konstellationen.
Wenn Dich das Unternehmer-Sparring interessiert, können wir unverbindlich schauen ob ein passender Fit existiert und ob bzw. wann wieder ein Slot für das nächste Unternehmer-Sparring frei wird.
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