{"id":816,"date":"2026-08-22T10:59:21","date_gmt":"2026-08-22T10:59:21","guid":{"rendered":"https:\/\/steffenzoller.de\/?p=816"},"modified":"2026-08-23T08:36:54","modified_gmt":"2026-08-23T08:36:54","slug":"quellcode-verkaufen-ki-training-insolvenz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/steffenzoller.de\/en\/quellcode-verkaufen-ki-training-insolvenz\/","title":{"rendered":"Quellcode verkaufen f\u00fcr KI-Training: Was der Code eines gescheiterten Startups noch wert ist"},"content":{"rendered":"<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein Recherche-Team von <a href=\"https:\/\/www.404media.co\/we-tracked-a-shipment-of-rare-books-it-ended-at-an-amazon-ai-training-facility\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">404 Media<\/a> hat im August einen AirTag in eine Lieferung seltener B\u00fccher gelegt und die Sendung quer durch die USA verfolgt. Sie endete in einem Amazon-Lager in Las Vegas, Zweigstelle VGT3, deren Logo ein Tyrannosaurus Rex mit einem aufgeschlagenen Buch in den Klauen ist. Besch\u00e4ftigte dort <a href=\"https:\/\/www.computerbase.de\/news\/wirtschaft\/ueberfuehrt-amazon-kauft-seltene-buecher-fuer-ki-training-und-zerstoert-sie.98894\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">berichten<\/a>, dass ihre Arbeit im Wesentlichen darin besteht, Buchr\u00fccken abzuschneiden, damit die Seiten schneller durch den Scanner laufen. Was danach \u00fcbrig bleibt, ist <a href=\"https:\/\/www.br.de\/nachrichten\/netzwelt\/zerstoeren-tech-firmen-wirklich-wertvolle-buecher-fuer-ki-training,VSfVWVm\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Altpapier<\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Drei Tage sp\u00e4ter, am <a href=\"https:\/\/www.heise.de\/news\/Fuers-KI-Training-Google-kauft-interne-Daten-der-insolventen-Spirit-Airlines-11416749.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">17. August, hat Google bei einer Insolvenzauktion<\/a> in New York zehn Millionen Dollar f\u00fcr die internen Daten von <a href=\"https:\/\/www.spiegel.de\/netzwelt\/spirit-airlines-google-kauft-interne-daten-von-insolventer-us-airline-um-ki-zu-trainieren-a-26cb6ba6-d7fa-4e03-9b85-59a486257720\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Spirit Airlines geboten<\/a>. Die Fluggesellschaft hatte im Mai den Betrieb eingestellt. Im Paket liegen rund 100 Millionen E-Mails, 500 Millionen Teams-Nachrichten und etwa <a href=\"https:\/\/www.srf.ch\/news\/international\/firmeninterne-daten-im-visier-google-kauft-daten-von-gegroundeter-billig-airline-darum-geht-s\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">30 Millionen Zeilen Quellcode<\/a>. Der zweite Bieter interessiert mich genauso als der erste. Unterlegener Bieter war Mercor mit 7,5 Millionen Dollar. Mercor ist ein Anbieter von Trainings-Kapazit\u00e4t f\u00fcr AI Labs. Ein Bieter \/ K\u00e4ufer w\u00e4re eine Anekdote. Zwei K\u00e4ufer, die sich gegenseitig hochbieten, wirken wir ein Markt und ein Marktpreis.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Was dahintersteht, hei\u00dft Code-Lizenzierung f\u00fcr KI-Training f\u00fcr AI Labs: Ein Unternehmen r\u00e4umt einem KI-Labor (AI Lab) das Recht ein, sein nicht-\u00f6ffentliches, anonymisiertes Quellcode-Repository als Trainingsmaterial zu verwenden. Das Eigentum am Code bleibt beim Lizenzgeber, verkauft wird ein Nutzungsrecht, meist gegen eine Einmalzahlung und meist erst nach einer technischen Pr\u00fcfung durch den K\u00e4ufer. F\u00fcr einzelne Repositories liegen die Betr\u00e4ge nach meiner Erfahrung zwischen einigen hundert und mehreren zehntausend Euro. Gerettet hat das noch kein Unternehmen vor einer Insolvenz. F\u00fcr die Quote der Insolvenz-Gl\u00e4ubiger ist es trotzdem relevant und eine neue, zus\u00e4tzliche Option.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Warum ausgerechnet Code von Firmen, die es nicht geschafft haben<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">AI Labs trainieren ihre Modell mit allen \u00f6ffentlich verf\u00fcgbaren Daten. Alles, was auf GitHub liegt, steckt l\u00e4ngst in den Modellen. Bezahlt wird f\u00fcr Code, der noch nie jemand f\u00fcr Training benutzt hat. Das erkl\u00e4rt auch die &#8222;B\u00fccher-Vernichtung&#8220; in Las Vegas. Die AI Labs sind an dem Punkt angekommen, an dem das offene Netz abgegrast ist und die n\u00e4chste Qualit\u00e4tsstufe entwedere nur noch aus selbstproduziertem Code der KI-Modelle selbst funktioniert oder aus Best\u00e4nden kommt, die nie online waren. Vergriffene und seltene B\u00fccher geh\u00f6ren dazu. Interne Firmenkommunikation und private Repositories eben auch.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Interessant ist dabei nicht das fertige Produkt, sondern die Entstehung und der Code-Prozess. Eine \u00fcber Jahre gewachsene Commit-Historie zeigt, wie ein Team auf Fehler reagiert hat: welcher Bug wann auffiel, welcher Fix nach zwei Tagen wieder zur\u00fcckgerollt wurde, an welcher Stelle ein Review jemanden zum Umschreiben gebracht hat. Ein Modell, das nur fertige Repositories gesehen hat, kennt diese Zwischenschritte nicht. Es sieht das Ergebnis und muss raten, wie man dorthin kommt. Firmen, die gescheitert sind, haben von diesen Zwischenschritten oft besonders viele produziert. Der Pivot, der nicht funktioniert hat, die halb fertige Migration, das Modul, das dreimal umgebaut wurde. Aus Sicht der Bilanz war das verbranntes Geld. Aus Sicht eines Trainingslaufs f\u00fcr ein KI-Lab ist es Material.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Welche Repositories kommen infrage?<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nicht alle und meistens eher die professionellen. Das ist die Antwort, die in den meisten Nachrichten zu diesem Thema fehlt, weil sie schlecht f\u00fcrs Gesch\u00e4ft klingt. Die Anforderungen sind folgende, die mir aktuell von K\u00e4uferseite genannt werden:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><br><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-table\"><table class=\"has-fixed-layout\"><tbody><tr><td><strong>Kriterium<\/strong><\/td><td><strong>Anforderung<\/strong><\/td><\/tr><tr><td>Commits<\/td><td>mehr als 500<\/td><\/tr><tr><td>Codezeilen<\/td><td>mehr als 5.000<\/td><\/tr><tr><td>Testabdeckung<\/td><td>solide, nachweisbar<\/td><\/tr><tr><td>Status<\/td><td>nicht \u00f6ffentlich, nie ver\u00f6ffentlicht<\/td><\/tr><tr><td>Sprache \/ Framework<\/td><td>egal<\/td><\/tr><tr><td>Angaben im Erstkontakt<\/td><td>Framework, verwendete Sprachen, Anzahl Merge- und Pull-Requests, idealerweise Beleg f\u00fcr Nicht-\u00d6ffentlichkeit<\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Sprache und Framework spielen wirklich keine Rolle. PHP ist dabei kein Ausschlusskriterium, ein selbstgebautes Framework aus 2017 ebenso wenig, und der Rails-Monolith, f\u00fcr den sich niemand mehr sch\u00e4men mag, ist genau das Profil, das gesucht wird. Was z\u00e4hlt, ist die Historie. Viele Commits \u00fcber einen langen Zeitraum und echte Reviews. Dazu auch eine gute Testabdeckung und Tests, die tats\u00e4chlich durchlaufen. Ein Prototyp aus acht Wochen Hackathon f\u00e4llt durch. Vier Jahre, f\u00fcnf Entwickler, ein Produkt im Live-Betrieb: das ist der Regelfall, den die K\u00e4ufer suchen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Der Fall aus der Praxis, der nicht funktioniert hat<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Einer meiner Kunden, ist ein Marktplatz f\u00fcr B2C und B2B und hat 2026 Insolvenz angemeldet. Ich habe daf\u00fcr gesorgt, dass seine Codebase angeboten wurde. Gekauft hat sie bisher niemand. Es lag nicht am Preis und nicht an der Programmiersprache. Die Testabdeckung war zu d\u00fcnn, und die Commit-Historie sah aus, wie sie bei vielen Startups aussieht: wochenlang nichts, dann ein Sammel-Commit mit dreitausend ge\u00e4nderten Zeilen und der Nachricht \u201eupdates&#8220;. F\u00fcr den laufenden Betrieb war das folgenlos. F\u00fcr ein Modell, das lernen soll, wie Software schrittweise entsteht, ist so eine Historie fast wertlos. Entsprechend gab es bisher kein Preis-Angebot.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ob eine Codebase lizenzierbar ist, entscheidet sich, wie sich jetzt zeigt, vor der Insolvenz und nicht danach. Eine sinnvolle Testabdeckung ist r\u00fcckwirkend nicht herstellbar. Aktuell begleite ich andere Gr\u00fcnder, zum Beispiel  eine ehemaligen Cybersecurity-Startup, welches seine Codebase \u00fcber denselben Weg liquidieren will. Dort sieht die Historie deutlich besser aus. Ob daraus ein Abschluss wird, wei\u00df ich noch nicht, und ich werde es hier erg\u00e4nzen, wenn ich es wei\u00df.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Wem geh\u00f6rt der Code, wenn das Insolvenzverfahren l\u00e4uft?<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Den Gl\u00e4ubigern und der Insolvenz-Masse. Sobald das Insolvenzverfahren er\u00f6ffnet ist, entscheidet der Verwalter \u00fcber die Verwertung, nicht mehr die Gesch\u00e4ftsf\u00fchrung. Davor wird es heikler, als die meisten annehmen. Wer die Codebase kurz vor dem Antrag noch schnell an einen Bekannten verkauft, riskiert, dass der Verwalter das Gesch\u00e4ft sp\u00e4ter wieder einkassiert. Das Geld ist dann weg, der \u00c4rger bleibt, und das Vertrauensverh\u00e4ltnis zum Insolvenzverwalter ist besch\u00e4digt, obwohl es zu diesem Zeitpunkt noch dringend gebraucht wird. Wer in der Krise steckt, spricht das Thema besser aktiv an. Meiner Erfahrung nach reagieren Verwalter darauf offen, weil jede zus\u00e4tzliche Verwertung <a href=\"https:\/\/www.wbs.legal\/allgemein\/datenverkauf-in-der-insolvenz-google-kauft-datenpaket-einer-us-billigairline-fuer-eigenes-ki-training-88257\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">ihnen die Quote verbessert<\/a> und weil sie im Zweifel selbst nicht wissen, dass es f\u00fcr Software inzwischen einen K\u00e4uferkreis gibt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In Insolvenzverfahren, die ich begleitet habe, wurden in der Regel Anlageverm\u00f6gen, Server und Lizenzen bewertet, teilweise die B\u00fcrom\u00f6bel oder eine Kundenkartei. Der Code dagegen wurde oft als \u201enicht verwertbar&#8220; in der Liste gef\u00fchrt. Drei Dinge kl\u00e4rt sonst niemand, bevor es zu sp\u00e4t ist.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">(1) Bei externen Entwicklern liegen die Nutzungsrechte h\u00e4ufig nicht dort, wo die Beteiligten sie vermuten. Bei fest Angestellten ist die Lage in Deutschland vergleichsweise klar. Bei Freelancern gilt, was im Vertrag steht, und in fr\u00fchen Startup-Vertr\u00e4gen steht dazu erfahrungsgem\u00e4\u00df nichts oder etwas Unbrauchbares.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">(2) Kundenvertr\u00e4ge k\u00f6nnen die Sache komplett blockieren. Wurde einem Auftraggeber ein exklusives Nutzungsrecht einger\u00e4umt, ist eine Lizenzierung an Dritte ohne dessen Zustimmung nicht m\u00f6glich, auch nicht in anonymisierter Form.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">(3) Und in jedem Repository stecken personenbezogene Daten. Fast immer mehr, als den Beteiligten bewusst ist: Commit-Autoren mit Klarnamen und Mailadresse, Testfixtures mit echten Kundendatens\u00e4tzen, Seed-Skripte aus einem Produktions-Dump, vergessene Logfiles. K\u00e4ufer fragen inzwischen danach, und die Frage sollte man beantworten k\u00f6nnen, bevor sie gestellt wird.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich bin kein Anwalt und mache keine Rechtsberatung. Was hier steht, ist die Mechanik, wie ich sie in konkreten F\u00e4llen erlebt habe. Bevor Sie eine Codebase lizenzieren, lassen Sie die Rechtekette und den Vertrag anwaltlich pr\u00fcfen. Das kostet einen Bruchteil dessen, was ein r\u00fcckabgewickelter Deal kostet.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"> Eine L\u00f6sungsoption, an die kaum jemand denkt<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein Gr\u00fcnder im Insolvenzverfahren muss die Codebase nicht in der Masse liegen lassen. Er kann sie dem Insolvenzverwalter g\u00fcnstig abkaufen. F\u00fcr den Verwalter ist eine Software ohne laufenden Betrieb und ohne K\u00e4ufer in Sicht ein schwieriger Posten. Wenn jemand ein konkretes Gebot legt, hat er einen Erl\u00f6s, der sonst nicht zustande gekommen w\u00e4re. Der ehemalige Gr\u00fcnder kennt den Code, kennt die Rechtekette und braucht keine Due Diligence. Danach kann er die Lizenzierung an ein KI-Labor selbst betreiben, in seinem eigenen Tempo, ohne dass ein Verfahren im Nacken sitzt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das ist kein Trick und funktioniert nur offen. Der Insolvenzverwalter muss einen angemessenen Preis erzielen, und ein Erwerb durch einen Insider wird zurecht genauer angeschaut als ein Verkauf an einen Fremden. Wer diesen Weg gehen will, geht ihn transparent, mit Bewertungsgrundlage und anwaltlicher Begleitung, oder er l\u00e4sst es. Ich halte den Weg trotzdem f\u00fcr den untersch\u00e4tztesten in diesem ganzen Thema. Er l\u00f6st n\u00e4mlich das strukturelle Problem: Ein Verfahren dauert Monate bis Jahre, ein Lizenzgespr\u00e4ch mit einem Lab dauert Wochen, und die beiden Zeitachsen passen nicht zusammen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Agenturen sitzen auf mehr davon als Insolvenzverwalter<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eine Agentur, die seit zehn Jahren baut, sitzt auf Dutzenden fertiger Projekte, die niemand mehr anfasst. Das ist inzwischen weniger Archiv als mehr ein Inventar. Dabei muss nat\u00fcrlich die vertragliche Grundlage gekl\u00e4rt werden. Genau daran h\u00e4ngt es. Wer die Nutzungsrechte vollst\u00e4ndig an den Auftraggeber \u00fcbertragen hat, kann nichts lizenzieren. Wer sie behalten und dem Kunden nur ein Nutzungsrecht einger\u00e4umt hat, kann es. Das entscheidet sich pro Projekt und pro Vertragsgeneration, und wer in zehn Jahren dreimal seine AGB ge\u00e4ndert hat, muss das leider einzeln durchgehen. Dasselbe gilt f\u00fcr Softwareh\u00e4user mit eingestellten Produktlinien und f\u00fcr Unternehmen, die eine Eigenentwicklung durch ein Standardprodukt ersetzt haben. Das SAP-Projekt ist durch, die alte L\u00f6sung l\u00e4uft nicht mehr, der Code liegt weiter im Archiv. Niemand hat je dar\u00fcber nachgedacht, dass daraus noch einmal Geld werden k\u00f6nnte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><br><\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Wie ein Deal abl\u00e4uft<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Am Anfang steht ein NDA, nicht der Code. Kein ernstzunehmender K\u00e4ufer erwartet, dass Sie ein Repository ohne Vereinbarung offenlegen, und wer es doch erwartet, ist der falsche Gespr\u00e4chspartner. Danach kommen die Metadaten: Framework, Sprachen, Anzahl der Commits, Codezeilen, Merge- und Pull-Requests, Testabdeckung, Nachweis, dass der Code nie \u00f6ffentlich war. Auf dieser Basis entscheidet der K\u00e4ufer, ob eine tiefere Pr\u00fcfung lohnt. Dann Samples und ein technisches Gespr\u00e4ch, in der Regel mit dem CTO auf K\u00e4uferseite. Am Ende ein Lizenzvertrag. Der langsamste Teil einer Code-Lizenzierung ist nie die Technik. Es ist die Frage, wem die Rechte eigentlich geh\u00f6ren.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Was ich nicht wei\u00df<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr Deutschland gibt es zu diesem Thema keine belastbaren Marktdaten. Ich kenne keine Statistik dar\u00fcber, wie viele Codebases hier lizenziert werden, und keine \u00f6ffentliche Preisliste. Die Spanne, die ich oben genannt habe, stammt aus einzelnen F\u00e4llen, aus Projekten von Ank\u00e4ufern und nicht aus einer Erhebung. Die Rechtslage ist ebenfalls nicht ausdekliniert. Zur Frage, wie ein Insolvenzverwalter eine Codebase mit unklarer Rechtekette verwerten darf, kenne ich keine deutsche Entscheidung. Der Spirit-Fall lief nach US-Recht vor einem Insolvenzgericht in New York und l\u00e4sst sich nicht \u00fcbertragen. Und ob die Zahlungsbereitschaft bleibt, wei\u00df niemand. Sie h\u00e4ngt daran, dass gute Trainingsdaten knapp sind. Sollte sich das \u00e4ndern, ist dieser Markt schneller wieder zu, als er aufgegangen ist.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Der Zusammenhang, den ich unangenehm finde<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Allianz Trade rechnet f\u00fcr 2026 mit rund 24.500 Unternehmensinsolvenzen in Deutschland, dem h\u00f6chsten Stand seit zw\u00f6lf Jahren. Sollte der KI-Boom abrupt enden, wie seinerzeit die Dotcom-Blase in den fr\u00fchen 2000ern, k\u00e4men nach Sch\u00e4tzung des Kreditversicherers etwa 4.000 zus\u00e4tzliche Insolvenzen allein hierzulande dazu. Startups tragen dabei ein \u00fcberproportional hohes Risiko. Die laufenden Zahlen passen ins Bild: Von Januar bis Mai 2026 wurden <a href=\"https:\/\/www.destatis.de\/DE\/Presse\/Pressemitteilungen\/2026\/08\/PD26_288_52411.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">10.546 Unternehmensinsolvenzen<\/a> beantragt, 4,9 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Makabere: Dieselbe Technologie, die diese Gesch\u00e4ftsmodelle unter Druck setzt, kauft am Ende die Reste auf. Ich habe genug befreundete Gr\u00fcnder im Verfahren erlebt, um die letzten Wochen vor einem Antrag nicht romantisch zu sehen. Wenn in dieser Situation noch ein f\u00fcnfstelliger Betrag in die Masse flie\u00dft, statt dass ein Server abgeschaltet und ein Backup gel\u00f6scht wird, ist das f\u00fcr die Gl\u00e4ubiger ein sp\u00fcrbarer Unterschied und f\u00fcr den Gr\u00fcnder ein etwas weniger vollst\u00e4ndiges Scheitern. Mich st\u00f6rt vor allem der Reflex, mit dem gel\u00f6scht wird. Als w\u00e4re der Code das, was am wenigsten wehtut.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Mein Angebot, wenn Sie eine Codebase haben<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich unterst\u00fctze und vermittle gern den Kontakt zu passenden K\u00e4ufern von Code f\u00fcr AI-Labs. Das gilt f\u00fcr Gr\u00fcnder im laufenden Verfahren, f\u00fcr Unternehmen in der Liquidation, f\u00fcr Agenturen mit Altprojekten und f\u00fcr Insolvenzverwalter, die eine Masse mit Software darin betreuen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr eine erste Einsch\u00e4tzung brauche ich vier Angaben: Sprache und Framework, ungef\u00e4hre Anzahl der Commits und Codezeilen, ob es Tests gibt, und ob der Code jemals \u00f6ffentlich war. Das steht in f\u00fcnf Minuten. Sie schicken keinen Code, keine Zug\u00e4nge und keine Dokumentation, und es entstehen Ihnen keine Kosten. Ein NDA liegt vor, bevor irgendetwas Technisches den Besitzer wechselt. Sie h\u00f6ren innerhalb von einigen Werktagen von mir, mit einer von zwei Antworten: entweder lohnt sich ein Gespr\u00e4ch, dann stelle ich den Kontakt her, oder das Repository erf\u00fcllt die Kriterien nicht, dann sage ich Ihnen das direkt. Der zweite Fall ist der h\u00e4ufigere, und er kostet Sie ebenfalls nichts au\u00dfer den f\u00fcnf Minuten. Wenn Sie mitten im Verfahren stecken, gilt das umso mehr: Der schlechteste Zeitpunkt f\u00fcr dieses Thema ist der Tag, an dem die Server abgeschaltet werden. <a href=\"https:\/\/steffenzoller.de\/en\/kontakt\/\" data-type=\"page\" data-id=\"58\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Schreiben Sie mir \u00fcber das Kontaktformular<\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">FAQ &#8211; H\u00e4ufige Fragen und Antworten<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Kann man privaten Quellcode f\u00fcr KI-Training verkaufen?<\/strong> <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ja. KI-Labore lizenzieren nicht-\u00f6ffentliche Repositories als Trainingsmaterial. Verkauft wird ein Nutzungsrecht, das Eigentum am Code bleibt beim Lizenzgeber.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Welche Repositories sind f\u00fcr KI-Training interessant?<\/strong> Nach den Kriterien, die mir aktuell genannt werden: mehr als 500 Commits, mehr als 5.000 Codezeilen, eine solide Testabdeckung und Code, der nie \u00f6ffentlich war. Programmiersprache und Framework spielen keine Rolle.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Wie viel zahlen KI-Labs f\u00fcr eine Codebase?<\/strong> F\u00fcr einzelne Repositories liegen die Betr\u00e4ge nach meiner Erfahrung zwischen einigen hundert und mehreren zehntausend Euro. Ganze Unternehmenspakete erreichen andere Gr\u00f6\u00dfenordnungen: Google bot im August 2026 zehn Millionen Dollar f\u00fcr den Datenbestand von Spirit Airlines.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Darf ein Insolvenzverwalter Quellcode verkaufen?<\/strong> Nach Er\u00f6ffnung des Verfahrens entscheidet der Verwalter \u00fcber die Verwertung der Masse, und die Codebase geh\u00f6rt dazu. Ein Verkauf durch die Gesch\u00e4ftsf\u00fchrung kurz vor dem Antrag kann sp\u00e4ter r\u00fcckabgewickelt werden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Kann ein Gr\u00fcnder seinen eigenen Code aus der Insolvenz zur\u00fcckkaufen?<\/strong> Das ist m\u00f6glich und in der Praxis oft der schnellste Weg, weil ein Lizenzgespr\u00e4ch Wochen dauert und ein Insolvenzverfahren Monate bis Jahre. Der Erwerb muss zu einem angemessenen Preis und offen gegen\u00fcber dem Verwalter erfolgen, weil Insider-K\u00e4ufe genauer gepr\u00fcft werden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Brauche ich ein NDA, bevor ich Code zeige?<\/strong> Ja, und seri\u00f6se K\u00e4ufer bieten es von sich aus an. Ohne unterzeichnete Vereinbarung sollte kein Repository und kein Sample das Haus verlassen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Gibt es in Deutschland einen \u00f6ffentlichen Marktplatz zum Verkauf von Codebases?<\/strong> Nein, ich kenne keinen \u00f6ffentlichen Marktplatz f\u00fcr Codebases, den AI Labs nutzen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wenn ich weitere Fragen aufnehmen sollte, melden Sie sich mit Feedback.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n\n\n\n<h5 class=\"wp-block-heading\">Systemhinweis:<\/h5>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Rechtsstand: 22. August 2026. Dieser Beitrag ist keine Rechtsberatung und beschreibt eigene Erfahrungen aus konkreten F\u00e4llen. Angaben zu Preisspannen beruhen auf Einzelf\u00e4llen, nicht auf einer Erhebung. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Quellen:<\/strong> <a href=\"https:\/\/www.404media.co\/we-tracked-a-shipment-of-rare-books-it-ended-at-an-amazon-ai-training-facility\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">404 Media<\/a> (Recherche zu Amazons Buchscans, 17.08.2026), <a href=\"https:\/\/news.bloomberglaw.com\/business-and-practice\/google-aims-to-boost-ai-with-purchase-of-spirit-airlines-data\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Bloomberg Law<\/a> und heise online (Spirit-Airlines-Auktion), Statistisches Bundesamt (Insolvenzstatistik Januar bis Mai 2026), <a href=\"https:\/\/www.allianz-trade.de\/presse\/pressemitteilungen\/allianz-trade-insolvenzstudie-oktober-2025.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Allianz Trade<\/a> (Globale Insolvenzstudie, Oktober 2025).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>\u00c4nderungsprotokoll<\/strong> 22.08.2026 \u2013 Erstfassung; 23. August 2026 &#8211; Aktualisierung der FAQ.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n\n\n<ul class=\"wp-block-latest-posts__list wp-block-latest-posts\"><li><a class=\"wp-block-latest-posts__post-title\" href=\"https:\/\/steffenzoller.de\/en\/die-50-50-falle-wenn-im-gruenderteam-nichts-mehr-entschieden-wird\/\">Die 50\/50-Falle: Wenn im Gr\u00fcnderteam nichts mehr entschieden wird<\/a><\/li>\n<li><a class=\"wp-block-latest-posts__post-title\" href=\"https:\/\/steffenzoller.de\/en\/quellcode-verkaufen-ki-training-insolvenz\/\">Quellcode verkaufen f\u00fcr KI-Training: Was der Code eines gescheiterten Startups noch wert ist<\/a><\/li>\n<li><a class=\"wp-block-latest-posts__post-title\" href=\"https:\/\/steffenzoller.de\/en\/selbsttest-co-founder-konflikt-wie-belastbar-ist-unsere-gruenderbeziehung\/\">Selbsttest Co-Founder-Konflikt: Wie belastbar ist unsere Gr\u00fcnderbeziehung?<\/a><\/li>\n<li><a class=\"wp-block-latest-posts__post-title\" href=\"https:\/\/steffenzoller.de\/en\/co-founder-konflikt-anatomie-eines-gruenderstreits\/\">Co-Founder-Konflikt: Anatomie eines Gr\u00fcnderstreits<\/a><\/li>\n<li><a class=\"wp-block-latest-posts__post-title\" href=\"https:\/\/steffenzoller.de\/en\/build-with-pride-bei-apple-sichtbarkeit-ist-ein-netzwerkeffekt\/\">Build with Pride bei Apple: Sichtbarkeit ist ein Netzwerkeffekt<\/a><\/li>\n<\/ul>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Recherche-Team von 404 Media hat im August einen AirTag in eine Lieferung seltener B\u00fccher gelegt und die Sendung quer durch die USA verfolgt. Sie endete in einem Amazon-Lager in Las Vegas, Zweigstelle VGT3, deren Logo ein Tyrannosaurus Rex mit einem aufgeschlagenen Buch in den Klauen ist. Besch\u00e4ftigte dort berichten, dass ihre Arbeit im Wesentlichen&#8230;<\/p>\n<p><a class=\"read-more\" href=\"https:\/\/steffenzoller.de\/en\/quellcode-verkaufen-ki-training-insolvenz\/\">Read More<\/a><\/p>","protected":false},"author":1,"featured_media":820,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[94,144,137],"tags":[209,210,212,41,211],"class_list":["post-816","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-digitalisierung","category-unternehmensverkauf","category-unternehmertum","tag-insolvenz","tag-ki-training","tag-quellcode","tag-startups","tag-trainingsdaten"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/steffenzoller.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/816","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/steffenzoller.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/steffenzoller.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/steffenzoller.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/steffenzoller.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=816"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/steffenzoller.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/816\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":826,"href":"https:\/\/steffenzoller.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/816\/revisions\/826"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/steffenzoller.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media\/820"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/steffenzoller.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=816"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/steffenzoller.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=816"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/steffenzoller.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=816"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}